Zeitungsreporter unterwegs

Leben früher: Eine Kaffeerunde mit Hersfelder Senioren

Schüler der Klasse H1 nahmen an einem Zeitungsprojekt teil und lasen jeden Tag die Hersfelder Zeitung. Als Nachwuchsreporter begaben sie sich auf Recherche, gingen ins Seniorenheim und hörten viele interessante Geschichten. Davon berichten sie uns ...

... „Den oder Keinen!“ antwortete uns eine lebhafte Seniorin der Hersfelder Seniorenresidenz K&S, als wir zaghaft nach dem Thema fragten, welches uns besonders interessierte: Wie verliebte man sich früher? So erfuhren wir, die Klasse H1 der Friedrich-Fröbel-Schule Bad Hersfeld, dass die zwei Damen und drei Herren, die wir in gemütlicher Rund löchern durften, zum Teil 50 bis 71 Jahre lang verheiratet waren. Der 95-jährige Herr Willmann lernte seine Frau in Görlitz kennen und wurde erst durch den Tod von seiner Gattin getrennt.

Die Herrschaften erlebten alle die Schrecklichkeiten des 2. Weltkrieges – so kam es auch, dass zum Beispiel Frau Niehoff keine Geschwister hat.

Die 92-jährige Frau Sandow erzählte, dass früher vieles anders war, man auf andere Art zusammen lebte und arbeitete. Die 84-jährige Frau Niehoff dachte dabei z.B. an die Strapazen des Wäschewaschens, welches mindestens 2 Tage brauchte. An das Einweichen der Wäsche, kochen im Kessel und Schrubben auf dem Waschbrett erinnerten sich auch der 82-jährige Herr Geißler sowie Herr Schuster. Frau Niehoff beschrieb, dass die Wäsche in Körben anschließend mit einem Handwagen zur Fuldawiese gebracht und zum Bleichen ausgelegt wurde. So wurde uns auch klar, warum die Senioren darauf hinwiesen, dass die Wäsche nicht so oft wie heute gewechselt wurde. Herr Willmann erläutere uns außerdem sehr anschaulich die Funktionsweise des mit heißer Holzkohle gefüllten Bügeleisens, welches seine Mutter benutzte.

Nach den Berufen der Eltern gefragt, erzählte Herr Schuster, dass sein Vater Zimmermeister war. Der Vater von Herrn Willmann arbeitete als Kaufmann in Leipzig. Herrn Geißlers Vater war Hilfswerkführer bei der Deutschen Reichsbahn. Frau Sandow lebte immer in Bad Hersfeld. Ihre Eltern hatten das Geschäft Bürobedarf Abel in der Friedloser Straße, das heute ihr Sohn führt. Frau Niehoff stammt ursprünglich aus dem heutigen Polen. Ihr Vater war Metzger. Im Haushalt lebten auch der Geselle und der Lehrling. Die Mütter der Senioren waren meistens Hausfrauen oder halfen ihren Männern. Klar, bei so viel Arbeit.

Über ihre Schulzeit befragt erzählten die Herren, dass es damals in der Schule viel strenger war. Wenn sie geschwätzt haben, hat der Lehrer sie mit einem Stock auf die Finger geschlagen. In einer Klasse lernten 30 bis 45 Kinder aus verschiedenen Stufen zusammen.

Überhaupt erleben die Damen und Herren die heutigen Kinder ganz anders: Sie erzählten, dass sie früher als Kinder zum Spielen auf den Hof geschickt wurden. Sie hatten kaum Spielsachen, sondern spielten miteinander Fußball und Völkerball oder mit Kreisel und Peitsche oder sprangen Seil. Gerne kletterten sie auf Bäume oder gingen im Winter zusammen Schlittschuhlaufen. Herr Schuster schnitzte gerne Borkenschiffchen oder lief auf Stelzen.

Als Hersfelder wollten wir auch etwas über das Lullusfest wissen. Herr Schuster erzählte, dass es weniger „Sensationen“ gab, dafür aber mehr „Fressbuden“. Für das Drehen am Glücksrad musste er 50 Pfennig bezahlen. Die Fahrt mit dem Kettenkarussell kostete 10 Pfennig. Er mochte besonders die Überschlagsschaukel und das Kräftemessen bei „Hau den Lukas“. Herr Geißler erzählte, dass das Riesenrad von Hand gedreht wurde.

Die Senioren schenkten uns mit ihren Erzählungen viele Eindrücke, zum Beispiel, dass nur vor einem Schaufenster zusammen ferngesehen wurde, man zum Telefonieren zum Postamt oder zur Telefonzelle ging, eine Waschmaschine 1600 D-Mark kostete oder das Fotografieren und Entwickeln von Fotos etwas Seltenes war, dass der selbst gekochte Pudding der Mutter noch heute in Erinnerung ist und immer gegessen wurde, was auf den Tisch kam… Wir verabschiedeten uns von den älteren Damen und Herren mit dem gegenseitigen Gefühl: es gäbe noch sooo viel mehr zu fragen und zu erzählen. Wir möchten gerne wieder kommen!

Autoren: Dennis, Niclas, Damarius, Dominik, Jamen, Skjara, Lucia, Jill, Julia, Melisa, Soraja und Kevin unter Mithilfe von Frau Hoffmann

  

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